Wanna make money – Die Einteilung des Betriebsvermögens

(Rechtsstand 31.12.2019, Rechtsänderung vorbehalten)

 

Wie du Betriebsvermögen steuerlich bewertest


Peter Patzig, ein 25-jähriger Malermeister, macht sich an diesem Wochenende an seine Bücher. Besonderes Augenmerk will er hierbei auf das Vermögen legen, welches er in seinem Betrieb hat. Teile seines Vermögens benutzt er ausschließlich betrieblich, andere Teile wiederum zu einem großen Teil auch privat. Nun hat er sich von seinem Arbeitskollegen sagen lassen, dass diese eine unterschiedliche Behandlung in der Bilanz bedürfen. Er nimmt sich die Zeit und recherchiert im Internet nach den betreffenden Abgrenzungskriterien und stößt dabei auf folgenden Blog des Club of Taxation:

Schlüsselwörter zu diesem Thema sind das sog. Betriebs- und Privatvermögen.

Was ist Betriebsvermögen?

Hierbei handelt es sich grundsätzlich um Wirtschaftsgüter, die dem Betrieb dienen und dem Betriebsinhaber gehören müssen. Wirtschaftsgüter können in diesem Zusammenhang materielle oder immaterielle Rechtsgegenstände sein.

Es gibt zwei verschiedene Formen von Betriebsvermögen:

Notwendiges Betriebsvermögen

Hierunter fallen Wirtschaftsgüter, die:
Ausschließlich betrieblich genutzt werden (mindestens 90 % bis 100 %) gem. R 4.2 Abs. 1 S. 1 EStR oder zu mehr als 50% eigenbetrieblich genutzt werden gem. R 4.2 Abs. 1 S. 4 EStR.

Gewillkürtes Betriebsvermögen

Bei dieser Art von Vermögen hat der Steuerpflichtige die Möglichkeit, eine Zuordnung in das Betriebsvermögen oder das Privatvermögen zu wählen.

Hierunter fallen Wirtschaftsgüter, die:
Einer betrieblichen Nutzung von mindestens 10% bis zu maximal 50% unterliegen gem. R 4.2 Abs. 1 S. 3 + 6 EStR. Voraussetzung, damit eine solche Zuordnung erfolgen kann, ist, dass ein objektiver Zusammenhang mit dem Betrieb besteht und das Wirtschaftsgut zur Förderung des Betriebes dient.

Notwendiges Privatvermögen

Des Weiteren gibt es eine dritte Form des Vermögens, das notwendige Privatvermögen. Von diesem spricht man, wenn der Steuerpflichtige ein Wirtschaftsgut zu weniger als 10 % betrieblich nutzt gem. R 4.2 Abs. 1 S. 5 EStR. Die Wahl der verschiedenen Vermögensarten, haben eine Auswirkung darauf, wie und ob die Wirtschaftsgüter entweder bilanziert werden oder betrieblich mindernde Auswirkungen haben.

Notwendiges Betriebsvermögen & gewillkürtes Betriebsvermögen

Die Wirtschaftsgüter die hierunter fallen, werden bilanziert. Hierunter fällt unter anderem das Umlaufvermögen. Sofern es sich um Wirtschaftsgüter handelt, die zusätzliche Aufwendungen bedürfen (z.B. Autos benötigen Benzin und Drucker benötigen Papier) stellen diese Aufwendungen Betriebsausgaben gem. § 4 Abs. 4 EStG dar. Wenn man diese Wirtschaftsgüter nun privat nutzt, handelt es sich um eine Privatentnahme gem § 4 Abs. 1 S. 2 EStG.

Notwendiges Privatvermögen

Wirtschaftsgüter die hierunter fallen, dürfen nicht bilanziert werden. Wenn jedoch Aufwendungen entstehen, die betrieblicher Natur sind (bsp. privater Drucker für betriebliche Zwecke, wobei zusätzlich Papier und Druckerpatronen gekauft werden) können diese Aufwendungen als Betriebsausgaben angesetzt werden. Der betrieblich genutzte Anteil des Wirtschaftsgutes stellt eine Privateinlage dar gem. § 4 Abs. 1 S. 8 EStG.


Beispiel

Ein Bauhändler kauft sich 10.000 Kg Zement im Wert von 23.800 EUR und überweist von seinem betrieblichen Bankkonto. Der gekaufte Zement ist zur Weiterveräußerung gedacht.

Rechtliche Würdigung:
Bei dem Zement handelt es sich um notwendiges Betriebsvermögen gem. R 4.2 Abs. 1 S. 1 EStR (100% betriebliche Nutzung).
Da es zur Weiterveräußerung gedacht ist, spricht man von Umlaufvermögen gem. R 6.1 Abs. 2 EStR.
Die Bewertung erfolgt mit den Anschaffungskosten gem. § 6 Abs. 1 Nr. 2 S. 1 EStG.

Ermittlung der Anschaffungskosten:
Gem. § 255 Abs. 1 S. 1 HGB liegt ein Kaufpreis von 20.000 EUR für 10.000 Kg Zement vor.
Demzufolge, ergeben sich Anschaffungskosten von 2 EUR pro Kilo Zement.
Die Vorsteuer i.H.v 3.800 EUR gehört gem. § 9b Abs. 1 EStG nicht zu den Anschaffungskosten.

Buchungssatz:

WEK 20.000AnBank 23.800
VorSt 3.800

Take away

  • Notwendiges Betriebsvermögen zu mindestens 90 % bis 100 % betrieblich genutzt wird gem. R 4.2 Abs. 1 S. 1 EStR
  • Notwendiges Betriebsvermögen zu mindestens 50 % aber max. 89 % betrieblich genutzt wird gem. R 4.2 Abs. 1 S. 4 EStR
  • Gewillkürtes Betriebsvermögen zu mindestens 10 % aber max. 50 % betriebliche genutzt wird gem. R 4.2 Abs. 1 S. 3 + 6 EStR
  • Privatvermögen, wenn es zu weniger als 10 % betrieblich genutzt wird gem. R 4.2 Abs. 1 S. 5 EStR
  • Privatentnahme gem. § 4 Abs. 1 S. 2 EStG
  • Privateinlage gem. § 4 Abs. 1 S. 8 EStG

Spread the word