Vorkasse only – Würdigung der Einkommensteuer-Vorauszahlungen

(Stand 31.12.2019, Rechtsänderungen vorbehalten)

 

Wie du Einkommensteuer-Vorauszahlungen berechnest


Allgemein

Um das Steueraufkommen zu sichern und größere Abschlusszahlungen zu verhindern, werden Einkommensteuer-Vorauszahlungen festgesetzt. Diese werden auf die tatsächliche Einkommensteuerschuld angerechnet. Grundlage für die Einkommensteuer-Vorauszahlungen ist die zuletzt durchgeführte Veranlagung. Die Vorauszahlungen werden daher prognostiziert. Sollte sich bei der kommenden Veranlagung ergeben, dass die aktuellen Vorauszahlungen zu hoch sind, werden diese angepasst. (Mehr zu der Bedeutung der Vorauszahlung findet ihr in dem Beitrag: Der Unterschied zwischen der Einkommensteuer und Umsatzsteuer)

§37 (1) S. 1 EStG

„Der Steuerpflichtige hat am 10. März, 10. Juni, 10. September und 10. Dezember Vorauszahlungen (…) zu entrichten (…).“

§37 (3) S. 2 EStG

„Die Vorauszahlungen bemessen sich grundsätzlich nach der Einkommensteuer, die sich nach Anrechnung der Steuerabzugsbeträge bei der letzten Veranlagung ergeben hat.“

Der §37 (1) S. 1 EStG steht für die Fälligkeit in Verbindung mit dem Türöffner-Paragraphen §220 (1) Abgabenordnung:

„Die Fälligkeit von Ansprüchen aus dem Steuerschuldverhältnis richtet sich nach den Vorschriften der Steuergesetze“

Ebenso zu berücksichtigen sind die Steuerbeträge, die bereits durch den Steuerabzug an das Finanzamt entrichtet worden sind, nach §36 (2) Nr. 2 EStG:

„Auf die Einkommensteuer wird angerechnet: die durch den Steuerabzug erhobene Einkommensteuer (…)“

Hierbei handelt es sich in den meisten Fällen um Lohnsteuer oder Kapitalertragssteuer.
Weiterhin gibt es noch Vorgaben zur Mindesthöhe bei der Festsetzung von Vorauszahlungen gemäß §37 (5) EStG:

Satz 1

„Vorauszahlungen sind nur festzusetzen, wenn sie mindestens 400€ im Kalenderjahr und mindestens 100€ für einen Vorauszahlungszeitpunkt betragen.“

Satz 2

„Festgesetzte Vorauszahlungen sind nur zu erhöhen, wenn sich der Erhöhungsbetrag (…) für einen Vorauszahlungszeitpunkt auf mindestens 100€ (…) beläuft“

Satz 1 bezieht sich auf neu festzusetzende Vorauszahlungen z.B. bei erstmaliger Veranlagung in Höhe von 500€. Der Folgesatz hingegen darauf, ob bestehende Vorauszahlungen angepasst werden sollen, bspw. wenn die Steuer im Folgejahr von 500€ auf 1200€ wächst.

Berechnung

Bei Rainer Zufalls Veranlagung für das Jahr 15 ergibt sich eine Steuer i.H.v. 35.000€. Der Bescheid ist auf den 10.04.16 datiert. Steuerabzugsbeträge ergeben sich in Form von Lohnsteuer i.H.v. 2.700€. Bisher wurden keine Vorauszahlungen festgesetzt.

#1 Es sind noch 3 Vorauszahlungs-Zeitpunkte offen: 10.06.16 , 10.09.16 , 10.12.16 §37 (1) S. 1 EStG

#2Einkommensteuer laut letzter Veranlagung §37 (3) S. 2 EStG35.000€
./.Steuerabzugsbeträge (LSt) §36 (2) Nr. 2 EStG2.700€
./.Festgesetzte Vorauszahlungen0€
=Noch festzusetzende Vorauszahlungen33.300€
/Verteilung des Betrags auf offene VZ-ZP3
=Steuer pro VZ-ZP11.100€

#3 Der Mindestbetrag von 400€ pro Kalendarjahr ist mit 33.300€ überschritten, sowie der Mindestbetrag von 100€ pro VZ-ZP mit 11.100€ §37 (5) S. 1 EStG. Daher sind Vorauszahlungen festzusetzen.
#4 Der Betrag von 11.100€ ist jeweils am 10.06.16, 10.09.16 und 10.12.16 fällig gemäß §220 (1) AO i.V.m. §37 (1) S. 1 EStG

Take aways

  • künftige Zahlungstermine nach §37 (1) S. 1 EStG offen 
  • ESt letzte Veranlagung ./. Steuerabzugbeträge ./. festgesetzte VZ =noch festzusetzende VZ / Verteilung auf offene VZ-ZP =Steuer pro VZ-ZP
  • §37 (3) S. 2 EStG, §36 (2) Nr. 2 EStG
  • Mindestbetrag §37 (5) S. 1 EStG
  • Fälligkeit §220 (1) AO i.V.m. §37 (1) S. 1 EStG

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