„Papa, darf ich den Marcedez Alpina 6×6 benutzen?“ – Unentgeltliche Wertabgabe von Fahrzeugen

(Stand 31.12.2019, Rechtsänderungen vorbehalten)

Wie du unentgeltliche Wertabgabe von Autos würdigst

Richard Reich ist ein anerkannter Unternehmer auf dem Gebiet der IT-Technik, mit SItz in München. Er hat 250 Mitarbeiter und ein sehr großes Firmengelände auf dem sein Unternehmensvermögen gelagert wird. Regelmäßig leiht sich sein Sohn eines seiner Autos, um damit vor seinen Freunden zu imponieren. Vor kurzem, hat er für einen Kurzulaub den neu erworbenen Marcedez Alpina 6×6 benutzt. Dieser wird zur Besichtigungs-/ und Kontrollterminen genutzt.

Der PKW wurde am 01.01.18 für 150.000 EUR angeschafft. Die KFZ-Steuer beträgt 5.000 EUR und die Versicherung 10.000 EUR jährlich. Während des Kurzurlaubes wurde für 250 EUR getankt.

Es handelt sich hierbei um eine unentgeltliche Wertabgabe nach § 3 Abs. 9a Nr. 1 UStG. Die Tatbestandsmerkmale lassen sich hierbei wie folgt zusammenfassen:

  1. Verwendung eines Gegenstandes des Unternehmensvermögens durch den Unternehmer, hier: Nutzung des Autos (Unternehmensvermögen) mit Erlaubnis durch den Vater (Unternehmer)
  2. für außerunternehmerische Zwecke, hier: für einen Kurzurlaub
  3. der zum vollen oder teilweisen Vorsteuerabzug berechtigt hat, hier: da für unternehmerische Zwecke (Besichichtigungen) genutzt.

Umsatzsteuerliche Würdigung:

Umsatzart:

In dem vorliegenden Fall können alle oben genannten TBMs bejaht werden, demnach liegt eine UWA vor.

Umsatzort:

Der Umsatzort richtet sich gem. § 3f S. 1 UStG. Demnach wird der Umsatzort dort ausgeführt, von wo aus der Unternehmer sein Unternehmen betreibt, hier also in München

Steuerbarkeit:

Bei der Prüfung der Steuerbarkeit nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG ist nur auf das TBM Inland einzugehen und zu prüfen. Hier wäre der Umsatz steuerbar, da er im Inland (München = Inland gem. § 1 Abs. 2 S. 1 UStG) ausgeführt wird.

Steuerpflicht:

Der Umsatz ist mangels Steuerbefreiung nach § 4 UStG steuerpflichtig.

Steuersatz:

Es wird der Regelsteuersatz i.H.v 19 % gem. § 12 Abs. 1 UStG angewendet.

BMG:

Die BMG für eine UWA ist besonders. Diese richtet sich nach § 10 Abs. 4 Nr. 2 S. 1 UStG. Hierbei werden alle bei der Ausführung des Umsatzes entstandenen Kosten berücksichtigt. Grund dafür ist, dass der Unternehmer grundsätzlich für alle Kosten den Vorsteuerabzug erhält. Ebenfalls für solche Kosten, die privat veranlasst sind. Diese Kosten müssen nun wieder neutralisiert werden, indem sie als UWA erfasst und versteuert werden. Das Vorgehen sieht dann wie folgt aus:

1) Alle bei der Ausführung des Umsatz entstandenen Kosten kumulieren (wichtig: keine fiktive Kosten oder Normalpreise):

KFZ Steuer 5.000 EUR
+ Versicherung10.000 EUR
+ Benzin 250 EUR
= Gesamt 15.520 EUR

Diese Kosten sind natürlich nicht nur bei dem Umsatz entstanden, werden aber zur besseren Darstellung addiert und später aufgeteilt.

2) Die Kosten müssen zum vollen oder teilweisen Vost-Abzug berechtigt haben:

Da die Versicherungs-/ und Steuerkosten keine Vost beinhalten, werden diese nun nicht mehr berücksichtigt:

Benzin250 EUR
= Gesamt250 EUR

3) Die Anschaffungskosten bzw. Herstellungskosten müssen aufgeteilt werden. Eine Aufteilung wird nur dann vorgenommen, sofern die AK/HK größer als 500 EUR sind. Wenn die Nutzungsdauer (ND) des Wirtschaftsgutes (WG) kleiner als 5 Jahre ist, wird sie auf den entsprechenden Nutzungszeitraum aufgeteilt, der durch das WG vorgegeben wird gem. § 10 Abs. 4 Nr. 2 S.3 UStG i.V.m § 15 a Abs. 5 S. 2 UStG. Wenn die ND größer als 5 Jahre ist, wird diese, aus umsatzsteuerlicher Sicht, nur auf 5 Jahre aufgeteilt gem. § 10 Abs. 4 Nr. 2 S. 3 i.V.m § 15a Abs. 1 S. 1 UStG. (Das hat den einfachen Grund der Berichtigung des Vorsteuerabzuges nach § 15a UStG, der bei beweglichen Wirtschaftsgütern nur einen Zeitraum von 5 Jahren kennt).

Für unseren Fall gilt also, das die AK von 150.000 EUR auf 5 Jahre aufgeteilt werden. Dies ergibt einen Betrag von 30.000 EUR p.a. Der Kurzurlaub dauerte 7 Tage, demzufolge würde man wie folgt rechnen:

Jahreswert30.000 EUR
/ 365 Tage 82,19 EUR
x 7 Tage575,33 EUR
Es muss ein Wert von 575,33 EUR angesetzt werden

Die Kosten für das Benzin können dem Kurzurlaub direkt zugeordnet werden, weshalb eine Aufteilung hierbei nicht notwendig ist.

Demzufolge ergibt sich nun eine BMG für den Umsatz von:

Berechneter Wert des PKWs575,33 EUR
+ Benzin 250 EUR
= Gesamt825,33 EUR
x 19 % USt 156,81 EUR
Die Umsatzsteuer beträgt demnach 156,81 EUR

Take Away:

  • UWA bei Fahrzeugen nach § 3 Abs. 9a Nr. 1 UStG
  • Bei Steuerbarkeit nur „Inland“ prüfen
  • BMG bei AK größer als 500 EUR und ND kleiner 5 Jahre = § 10 Abs. 4 Nr. 2 S.3 UStG i.V.m § 15 a Abs. 5 S. 2 UStG
  • BMG bei AK größer als 500 EUR und ND kleiner 5 Jahre = § 10 Abs. 4 Nr. 2 S. 3 i.V.m § 15a Abs. 1 S. 1 UStG

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