Treibende Wirtschaftskraft – Einkünfte aus nicht-selbstständiger Arbeit § 19 (1) S. 1 Nr. 1 EStG

(Stand 31.12.2019, Rechtsänderungen vorbehalten)

 

Prüfe die Einkünfte aus nicht-selbstständiger Arbeit und Werbungskosten

Brolaf Szols ist Elektriker für Automatisierungstechnik bei der Biemens AG in Neustadt. Er liebt seinen Job, denn dieser ist abwechslungsreich und über ein üppigen Nettolohn von 2.657,69€ monatlich als Junggeselle möchte er sich nicht beschweren. Auch wenn ihm monatlich 901,13€ Sozialausgaben, 822€ Lohnsteuer, sowie 45,21€ Solidaritätszuschlag und 73,98€ Kirchensteuer einbehalten werden. Außerdem wohnt er nicht weit weg (Edenkoben) und muss so täglich nur 17 km mit dem eigenen PKW zu seiner ersten Tätigkeitsstätte zurücklegen. Mit einer teilweisen 6-Tage-Woche kommt er auf 240 Arbeitstage im Jahr 2019. Er ist gewerkschaftlich engagiert und zahlt einen Mitgliedsbeitrag i.H.v 600€ im Jahr. Da Ihm die Werkzeuge der Firma Diamond so gefallen, hat er sich selbst zu Weihnachten ein Set im Wert von 300€ bestellt. Wegen Lieferschwierigkeiten kam dieses aber erst im darauf folgenden Kalenderjahr an, obwohl er es noch vor Weihnachten bezahlt hatte.

Woran erkennt man Einkünfte aus nicht-selbstständiger Arbeit?

Das Einkommensteuergesetz sagt im §19 (1) S. 1 Nr. 1 folgendes:
„Gehälter, Löhne, Gratifikationen, Tantiemen und andere Bezüge und Vorteile für eine Beschäftigung im öffentlichen oder privaten Dienst“

Wenn man also eine der oben genannten Einkunftsformen hat, dann fällt man unter nicht-selbstständige Arbeit.

Außerdem sagt §1 (1) S. 1 Lohnsteuer-Durchführungsverordnung, dass der Arbeitnehmer in einem Beschäftigungs- und Dienstverhältnis stehen muss und dabei nach §1 (2) S. 1 LStDV seine Arbeitskraft dem Arbeitgeber schuldet. Sehr markant ist hierbei, dass eine Weisungsgebundenheit des Arbeitnehmers gegenüber dem Arbeitgeber besteht §1 (2) S. 2 LStDV. Frei nach dem Motto „Der Chef hat das letzte Wort“.

Abschließend ist zu sagen, dass bei Personen, die Einkünfte aus nicht-selbstständiger Arbeit beziehen, Lohnsteuer und Sozialausgaben einbehalten werden und vom Arbeitgeber abgeführt werden.

Prüfung der Einkünfte und Werbungskosten

Grundsatz

Brolaf erzielt mit seiner Tätigkeit als Elektriker Einkünfte aus nicht-selbstständiger Arbeit nach §2 (1) S.1 Nr. 4 i.V.m. §19 (1) S. 1 Nr. 1 EStG in Form von Lohn. Dies sind Überschusseinkünfte §2 (2) Nr. 2 EStG. Dieser werden berechnet, indem man von den Einnahmen §8 (1) EStG, die Werbungskosten §9 (1) S. 1 EStG abzieht. Zeitlich maßgebend sind hier das Abflussprinzip §11 (2) S. 1 EStG und das Zuflussprinzip nach §11 (1) S. 4 i.V.m 38a (1) S. 2 und 3 EStG. Der Bruttoarbeitslohn stellt hier die Einnahmen dar, da Kosten der Lebensführung §12 Nr. 1 EStG wie Sozialausgaben und Steuern §12 Nr. 3 EStG (Soli, KiSt, LSt) die Einnahmen nicht mindern dürfen.

Einnahmen

Somit ergibt sich der Bruttojahresabreitslohn wie folgt:

Nettolohn2.657,69€ 
Lohnsteuer822€ 
Solidaritätszuschlag45,21€ 
Kirchensteuer73,98€ 
Sozialausgaben901,13€ 
 Gesamt4.500€
 Jahresgesamt54.000€

Werbungskosten

Die Werbungskosten dienen zur Sicherung, der Erhaltung und dem Erwerb von Einnahmen §9 (1) S. 1 EStG

Die Beiträge zur Gewerkschaft sind ebenso Werbungskosten nach §9 (1) S. 3 Nr. 3 EStG i.H.v 600€

Für die Aufwendungen der Fahrten zwischen der Wohnung (Edenkoben) und der ersten Tätigkeitsstätte (Neustadt, §9 (4) S. 1 EStG) bekommt er die auf volle Kilometer abgerundete, kürzeste und einfache Straßenverbindung mit 0,30€/km abgegolten §9 (1) S. 3 Nr. 4 S. 2 + 4 EStG. Maßgebend sind hier 8 km laut Sachverhalt (17 km täglich / 2 = 8,5 km + Abrundung).

Hieraus ergibt sich die EFP nach §9 (1) S. 3 Nr. 4 S. 1 EStG wie folgt:
240 Arbeitstage * 0,30€ * 8 km = 576€

Der Höchstbetrag gilt hier nicht, da er mit dem eigenen PKW fährt.

Weiterhin stellt das Werkzeug von Diamond Aufwendungen für Arbeitsmittel nach §9 (1) S. 3 Nr. 6 EStG dar i.H.v. 300€, da diese Anschaffung zu 100% beruflich veranlasst ist. Er kann diese in 2019 ansetzen, da er sie im Veranlagungsjahr bezahlt hat (Abflussprinzip).

Es ergeben sich somit Werbungskosten iHv 1.476€

(Gut zu wissen: Wären die Werbungskosten gesamtheitlich unter 1.000€, würde der Arbeitnehmer-Pauschbetrag nach §9a S. 1 Nr. 1 a) EStG zum Zuge gekommen. Da der Gesetzgeber davon ausgeht, dass jeder Werbungskosten i.H.v. 1.000€ hat. Allerdings darf dieser Pauschbetrag die Einnahmen nicht übersteigen §9a S. 2 EStG.)

Einkünfte

Somit ergeben sich bei Brolaf Einkünfte aus nicht-selbstständiger Arbeit i.H.v. 52.524€ (54.000 € ./. 1.476 €).

Take away

  • Einkünfte nsA §2 (1) Nr. 4 iVm §19 (1) S. 1 Nr. 1 EStG
  • Überschusseinkünfte §2 (2) Nr. 2 EStG
  • Einnahmen §8 (1) EStG: Bruttoarbeitslohn
  • KdL §12 Nr. 1 EStG: Sozialausgaben
  • Steuern §12 Nr. 3 EStG: LSt, Soli, KiSt
  • Werbungskosten: EFP, Gewerkschaft, Arbeitsmittel

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