Ohne Moos nichts los – die Einkunftsarten nach § 2 EStG

(Stand 31.12.2019, Rechtsänderungen vorbehalten)

 

Wie man Einkünfte den verschiedenen Einkunftsarten zuschreibt


Thomas Schmitz war nach langjähriger Anstellung mit seiner Arbeit nicht mehr zufrieden. Ihn störte es, immer auf die Weisungen seines Chefs hören zu müssen. Der 40-jährige Malermeister entschied sich selbständig zu machen. Nur machen, was und wann er wollte, war für ihn genau das richtige. Nach Kündigung seines Angestelltenverhältnisses und Anmeldung eines Gewerbes erhält er einen Brief vom Finanzamt. Auf diesem stand „steuerlicher Erfassungsbogen“. Doch um welche Einkunftsart handelt es sich und wie ermittelt man hierbei den Gewinn?

Fundstelle für diese Frage ist der § 2 Abs. 1 + 2 EStG.

Welche Einkunftsarten gibt es?

  • § 2 Abs. 1 Nr. 1 EStG: Einkünfte aus Land – und Forstwirtschaft: bspw. Landwirte
  • § 2 Abs. 1 Nr. 2 EStG: Einkünfte aus Gewerbebetrieb: bspw. selbstständige Handwerker
  • § 2 Abs. 1 Nr. 3 EStG: Einkünfte aus selbständiger Arbeit: bspw. Ärzte oder Anwälte
  • § 2 Abs. 1 Nr. 4 EStG: Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit: bspw. Beamte oder Angestellte
  • § 2 Abs. 1 Nr. 5 EStG: Einkünfte aus Kapitalvermögen: bspw. Zinsen oder Dividenden/Aktien
  • § 2 Abs. 1 Nr. 6 EStG: Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung: bspw. Wohnungen
  • § 2 Abs. 1 Nr. 7 EStG: Sonstige Einkünfte: bspw. Renten

Einnahmen die nicht unter diese sieben Einkunftsarten fallen, sind nicht steuerbar. Hierunter fallen bspw. Lottogewinne oder Ehrenpreise.

Die zwei Gruppen der Einkunftsarten & Die Ermittlung

  • Die Gewinneinkünfte gem. § 2 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 EStG.
  • Die Überschusseinkünfte gem. § 2 Abs. 2 S. 1 Nr. 2 EStG.

Diese Unterscheidung hat den Grund, dass es einerseits jeweils unterschiedliche Gewinnermittlungsmethoden gibt. Andererseits gilt bei den Gewinneinkünften die Reinvermögenszuwachstheorie, während die Überschusseinkünfte der Quellentheorie unterliegen. Abschließend muss erwähnt werden, dass der Gesetzgeber eben diese Unterteilung durch das Gesetz vornimmt.

Grundlegend gibt es 3 Gewinnermittlungsmethoden im Steuerrecht, während bei den Überschusseinkünften lediglich die Werbungskosten §9 Absatz 1 Satz 1 EStG von den Einnahmen §8 Absatz 1 EStG abgezogen werden.

  • Der Betriebsvermögens-Vergleich gem. § 4 Abs. 1 Satz 1 EStG, § 5 EStG (sog. Buchführungspflicht; Fach Buchführung)
  • Die Einnahme-Überschuss-Rechnung (kurz: EÜ-Rechnung) gem. § 4 Abs. 3 Satz 1 EStG
  • Die Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen gem. § 13a EStG

In dem Fach Einkommensteuer wird nur auf die EÜ-Rechnung eingegangen. Hierbei ermittelt sich der Gewinn wie folgt:

Betriebseinnahmen § 4 Abs. 4 EStG im Umkehrschluss
./.Betriebsausgaben § 4 Abs. 4 EStG
= Gewinn/Verlust


Wie oben bereits erwähnt, werden bei Überschusseinkünften der Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten besteuert. Die Rechnung sieht dann wie folgt aus:

Einnahmen § 8 Abs. 1 EStG
./. Werbungskosten § 9 Abs. 1 S. 1 EStG
=positive/negative Einkünfte


Rechtliche Würdigung

Im Fall von Herrn Schmitz würde man nun folgende rechtliche Würdigung vornehmen:
Herr Schmitz erzielt als Malermeister Einkünfte aus Gewerbebetrieb gem. § 2 Abs. 1 Nr. 2 EStG i.V.m § 15 Abs. 1 S.1 Nr. 1 EStG. Hierbei handelt es sich um Gewinneinkünfte gem. § 2 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 EStG. Er ermittelt seine Einkünfte mit der EÜ-Rechnung nach § 4 (3) Satz 1 EStG, da er nach §§ 140, 141 AO nicht zur Buchführung verpflichtet ist und auch freiwillig keine Bücher führt. Diese werden ermittelt, indem man von den Betriebseinnahmen (gem. § 4 Abs. 4 i.U EStG ), die Betriebsausgaben (gem. § 4 Abs. 4 EStG) abzieht.

Take away

  • Gewinneinkünfte gem. § 2 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 EStG.
  • Einnahme-Überschuss-Rechnung gem. § 4 Abs. 3 EStG
  • Überschusseinkünfte gem. § 2 Abs. 2 S. 1 Nr. 2 EStG.

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