Mach‘ mich auf den Weg – 4 Modelle der Entfernungspauschale

(Stand 31.12.2019, Rechtsänderungen vorbehalten)

 

Beurteile die Grundsätze und Besonderheiten der Entfernungspauschale

Werbungskosten dienen laut §9 (1) S. 1 EStG zum Erhalt, Erwerb und zur Sicherung der Einnahmen. So ist das auch, wenn man täglich zur Arbeit fährt. Diese Fahrten sind beruflich veranlasst und müssen steuerlich berücksichtigt werden. Hierfür gibt es die Entfernungspauschale. Mit der diese Aufwendungen abgegolten sind §9 (2) S. 1 EStG. Tatsächliche Kosten können so grundsätzlich nicht angesetzt werden (Eine Ausnahme bildet hier §9 (2) EStG).

Was ist die Erste Tätigkeitsstätte?

Gemäß §9 (4) S. 1 EStG ist es eine „ortsfeste betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers“, welcher „der Arbeitnehmer dauerhaft zugeordnet ist“.
Dabei erfolgt die Zuordnung aufgrund von Weisungsgebundenheit des Arbeitnehmers und wird sogar arbeitsrechtlich (z.B. Vertrag) festgelegt §9 (4) S. 2 EStG. Weiterhin ist von einer dauerhaften Zuordnung auszugehen, wenn der Arbeitnehmer unbefristet, für die Dauer des Dienstverhältnisses oder über einen Zeitraum von 48 Monaten zugeordnet wird §9 (4) S. 3 EStG.

In den meisten Fällen stellt dies jedoch eine Herausforderung dar. Wenn doch, dann gibt es weitere Ausführungen im §9 (4) EStG.

Grundsätze

Vorschrift

Die Aufwendungen, die für die Fahrten zwischen Wohnung und Erster Tätigkeitsstätte anfallen, sind Werbungskosten nach §9 (1) S. 3 Nr. 4 S. 1 EStG.

Maßgebend sind hierbei §9 (1) S. 3 Nr. 4

Satz 2

„Zur Abgeltung dieser Aufwendungen ist für jeden Arbeitstag, an dem der Arbeitnehmer die erste Tätigkeitsstätte aufsucht eine Entfernungspauschale für jeden vollen Kilometer der Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte von 0,30 Euro anzusetzen, höchstens jedoch 4 500 Euro im Kalenderjahr; ein höherer Betrag als 4 500 Euro ist anzusetzen, soweit der Arbeitnehmer einen eigenen oder ihm zur Nutzung überlassenen Kraftwagen benutzt.“

Satz 4

„Für die Bestimmung der Entfernung ist die kürzeste Straßenverbindung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte maßgebend; eine andere als die kürzeste Straßenverbindung kann zugrunde gelegt werden, wenn diese offensichtlich verkehrsgünstiger ist und vom Arbeitnehmer regelmäßig für die Wege zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte benutzt wird.“

Erklärung

Es sind nur die vollen Kilometer der Entfernungsstrecke zu berücksichtigen d.h. die Kommastellen werden sozusagen entfernt (18,2km = 18km) und es werden nicht Hin/-und Rückweg berücksichtigt. Der Preis pro Kilometer ist auch auf die Pauschale von 0,30€ begrenzt. Weiterhin wird die Pauschale nicht über den Höchstbetrag gedeckelt, wenn wir mit unserem eigenen PKW fahren.

Die maßgebende Strecke ist dabei grundsätzlich die kürzeste Straßenverbindung. Hierbei kann ausnahmsweise die verkehrsgünstigere berücksichtigt werden oder jene, die regelmäßig genutzt wird. Somit spielen weder Waldwege noch Autobahnen zu Landstraßen eine größere Bedeutung.

Zudem gibt es die EFP nur einmal pro Arbeitstag.

Beispiel

Peter wohnt von seinem Arbeitsplatz laut Google Maps 20,2km entfernt. Er hatte in 2019 230 Arbeitstage und ist die Strecke stets mit dem eigenen Auto gefahren. Wegen einer ganzjährigen Baustelle musste er jedoch einen Umweg in kauf nehmen, sodass sich eine Entfernung von 25,7km ergab.

Die vollen Kilometer wären also grundsätzlich 20km, weil es sich um die Entfernung zur Ersten Tätigkeitsstätte handelt. Es werden dabei 230 Arbeitstage angesetzt und weil er mit dem eigenen PKW gefahren ist gilt kein Höchstbetrag von 4.500. Den Umweg, den er durch die Baustelle nehmen musste, verursacht eine regelmäßige Nutzung. Dadurch kann die weitere Entfernung von abgerundet 25km angesetzt werden.

230 Arbeitstage * 0,30€ * 25km = 1.725€ als Entfernungspauschale

Nutzung verschiedener Verkehrsmittel

Nun kann es auch vorkommen, dass aus persönlichen Gründen eine Nutzung von mehreren Verkehrsmitteln besser ist. Die übliche Variante ist hierbei „Park & Ride“, wenn man erstmal zum Bahnhof fährt/geht und dann die restliche Strecke mit der Bahn zurück legt.

Der Grundsatz bleibt, wie im obigen teil erklärt, bestehen. Allerdings muss man für die Berechnung eine Besonderheit beachten. Es müssen nämlich Teilstrecken gebildet werden, weil für Strecken, die mit dem eigenen PKW zurückgelegt werden, kein Höchstbetrag gilt und für die Strecke mit z.B. öffentlichem Verkehrsmittel, der Höchstbetrag greifen würde.

Bei der Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln fallen meist Ticketkosten an. Das sind Aufwendungen, die tatsächlich angefallen sind und eben nicht durch eine Pauschale errechnet werden. Die tatsächlichen Kosten für öffentliche Verkehrsmittel können angesetzt werden, wenn sie für den Steuerpflichtigen günstiger sind §9 (2) S. 2 EStG.

Beispiel

Peter fährt 3km mit dem Auto zum Bahnhof und steigt dann in den Zug nach Ludwigshafen. Die kürzeste Straßenverbindung zwischen seiner Wohnung und der Ersten Tätigkeitsstätte in Ludwigshafen betragen 75km. Zudem war er an 200 Tagen auf der Arbeit. Für das Zugticket hat er im Jahr 2.000€ bezahlt.

Die Fahrt mit dem Auto zum Bhf ist Teilstrecke 1 mit 3km. Die Fahrt mit dem Zug nach Ludwigshafen ist Teilstrecke 2. Diese rechnerische Größe ergibt sich, indem man von der kürzesten Straßenverbindung 75km, Teilstrecke 1 abzieht (3km). Somit ergeben sich 72km als Teilstrecke 2.

Danach führt man die reguläre Berechnung für die Entfernungspauschale mit beiden Teilstrecken durch:

200 AT * 0,30€ * 3km = 180€, es gilt kein Höchstbetrag
200 AT * 0,30€ * 72km = 4.320€, es gilt der Höchstbetrag

Somit ergibt sich eine gesamtheitliche Entfernungspauschale in Höhe von 4.500€. Der Ansatz der tatsächlichen Kosten (Tickets) ist mit 2.000€ nicht günstiger als die EFP.

Fahrten bei mehreren Dienstverhältnissen

Heutzutage ist es nicht selten, dass Steuerpflichtige mehrere Dienstverhältnisse haben (kein 450€-Basis). Das bedeutet, dass es für das eine Beschäftigungsverhältnis eine Erste Tätigkeitsstätte gibt und ebenso bei dem anderen. Daraus schlussfolgernd sich, dass für beide die EFP steuerlich anzuerkennen ist.

Nun kann es jedoch vorkommen, dass der Steuerpflichtige von dem einen Dienstverhältnis direkt zum anderen fährt. Diese Vorgehensweise würde mit Grundsatz „Fahrten zwischen Wohnung und ETS“ in Konflikt geraten. Aus diesem Grund, muss eine spezielle Berechnung erfolgen.

Beispiel

Peters kürzeste Straßenverbindung von seiner Wohnung zu seiner Ersten Tätigkeitsstätte bei der er als Mechaniker tätig ist, beträgt 20km. Genau so weit hat er es zur Ersten Tätigkeitsstätte, bei der er als Hausmeister tätig ist. Zwischen den beiden Ersten Tätigkeitsstätten liegen 6km. Er fährt stets von der Werkstatt zur Wohnanlage und dann zu seiner Wohnung. Und das an 200 AT im Jahr.

Somit legt Peter arbeitsbedingt 46km am Tag zurück. Daraus lässt sich die EFP wie folgt ermitteln:

Summe der einfachen Entfernungen zu beiden ETS: 40 km (Whg – Werkstatt, Whg – Wohnanlage)
maximal aber nur: 46 / 2 = 23km

200 AT * 0,30€ * 23km = 1.380€

Aus dieser Berechnungsweise ergibt sich eine EFP iHv 1.380€.

Fahrten von mehreren Wohnungen

Lebensweisen von Steuerpflichtigen können dieser Tage sehr unterschiedlich sein. So kann es vorkommen, dass sie von verschiedenen Orten aus, Ihre ETS aufsuchen. Dabei stellt sich dann natürlich die Frage, welche Entfernung angesetzt wird und ob vielleicht eine weitere Entfernung als die Wohnung angesetzt werden kann.

Diese Fragen können mit „Ja“ beantwortet werden. Für die EFP kann die Wohnung angesetzt werden, die der Steuerpflichtige zur regelmäßigen Übernachtung nutzt und von der aus er seine Arbeitsstätte regelmäßig aufsucht laut Richtlinie 9.10 (1) S. 1 Lohnsteuer-Richtlinie.

Gemäß §9 (1) S. 3 Nr. 4 S. 6 EStG gilt, dass der Arbeitnehmer bei Nutzung mehrerer Wohnungen, die längere Strecke ansetzen darf, wenn sich dort sein Mittelpunkt des Lebensinteresses befindet und er diese nicht nur gelegentlich aufsucht.

Mittelpunkt des Lebensinteresses

Bei verheirateten Steuerpflichtigen, gilt der Wohnort der Familie als solcher, wenn die Wohnung mindestens 6x im Jahr aufgesucht wird R 9.10 (1) S. 4+5 LStR. Während man bei ledigen Arbeitnehmern auf persönliche Beziehungen abstellt wie z.B. Eltern, Freunde, Vereine R. 9.10 (1) S. 6 + 7 LStR. Hierbei muss die Wohnung mindestens alle 2 Wochen aufgesucht werden R. 9.10 (1) S. 8 LStR.

Beispiel

Peter wohn in Trier und arbeitet im 20km entfernten Schweich. Seine Freundin wohnt im 70km entfernten Birkenfeld. Er ist jedes Wochenende bei ihr in der Wohnung. An 100 Tagen hat er von Trier aus die ETS in Schweich aufgesucht und an 130 von Birkenfeld aus.

100 AT * 0,30€ * 20km = 600€
130 AT * 0,30€ * 70km = 2.730€

Er erhält eine EFP iHv 3.330€, weil öfter als alle 2 Wochen (jedes Wochenende) bei seiner Freundin (Mittelpunkt Lebensinteresse) ist und von dort aus, die ETS regelmäßig aufsucht.

Take away

  • ETS §9 (4) EStG
  • EFP als WK §9 (1) S. 3 Nr. 4 S. 1 EStG
  • kürzeste, auf voll km Straßenverbindung §9 (1) S. 3 Nr. 4 S. 2 + 4 EStG
  • Höchstbetrag 4.500€
  • Abgeltung der EFP §9 (2) S. 1 EStG
  • Ansatz von tatsächlichen Kosten §9 (2) S. 2 EStG
  • Verschiedene Verkehrsmittel
  • Mehrere Dienstverhältnisse
  • Mehrere Wohnungen – Mittelpunkt des Lebensinteresses

 

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