Definitiv kein Wirecard- Einkünfte aus Kapitalvermögen Teil 1

(Stand 31.12.2019, Rechtsänderungen vorbehalten)

Was der Sparer-Pauschbetrag, der Freistellungsauftrag und der Steuersatz für Einkünfte aus Kapitalvermögen sind

Sandra Sandig hat sich heute den Kontoauszug ihres Depots angeschaut. Sie hat endlich es geschafft, 200% Rendite in einem Jahr zu erwirtschaften. Doch die Freude hält nicht lange an. Ihr Bankberater ruft sie am Folgetag an, um ihr mitzuteilen, dass sie vergessen hat, den Freistellungsauftrag online einzureichen und sie damit mehr Steuern an den Fiskus abführen muss. Das findet Frau Sandig gar nicht amüsant, da sie für ihr gutes Portfolioergebnis nämlich mehrere hundert Stunden in lesen und recherchieren investiert. Bei näherer Überlegung fällt ihr auch auf, dass sie gar nicht genau weiß, worum es sich bei dem Freistellungsauftrag handelt. Sie recherchiert weiter und wird bei dem Club of Taxation fündig.

Was ist der Sparerpauschbetrag?

Bei dem Sparer-Pauschbetrag handelt es sich um einen Freibetrag, welcher von den Einkünften aus Kapitalvermögen abgezogen wird (z.B. Dividenden §20 (1) Nr. 1 EStG oder Zinserträge §20 (1) Nr. 7 S. 3 EStG). Er beträgt bei einer Einzelveranlagung 801 EUR und bei einer Ehegatten-Veranlagung 1.602 EUR. Der Pauschbetrag ist personenbezogen und wird anstelle der tatsächlichen Werbungskosten abgezogen gem. § 20 (9) S. 1 + S. 2 EStG.

Der Abzug der Werbungskosten ist gem. § 20 (9) S. 1, 2. HS ausgeschlossen, auch wenn diese höher sind. Zu beachten sind nun folgende zwei Dinge:

  1. Bei dem Sparer-Pauschbetrag handelt es sich um einen Jahresbetrag. Wenn man also unterjährig Aktien kauft und damit Zinsen erwirtschaftet, ist der Pauschbetrag nicht zu kürzen, sondern wird in voller Höhe abgezogen.
  2. Der Pauschbetrag darf nicht zu negativen Einkünften führen gem. § 20 (9) S. 4 EStG. Das bedeutet, dass der Betrag nur bis zur Höhe der Einnahmen abgezogen werden darf.
Ein Beispiel zu 1:

Frau Sandig hat Dividendeneinnahmen i.H.v 500 EUR über das gesamte Jahr und keine tatsächlichen Werbungskosten. Wie viel müsste sie nun versteuern?

Einnahmen aus Dividenden 500 EUR
./. Sparerpauschbetrag 801 EUR
(aber maximal bis zur Höhe der Einnahmen
gem. § 20 (9) S. 4 EStG)
500 EUR
= Ergebnis 0 EUR
Ein Beispiel zu 2:

Frau Sandig hat Dividendeneinnahmen i.H.v 1.000 EUR über das gesamte Jahr und tatsächliche Werbungskosten i.H.v 900 EUR (Fahrt-/ und Telefonkosten). Wie viel müsste sie nun versteuern?

Einnahmen aus Dividenden 1.000 EUR
./. Sparerpauschbetrag i.H.v 801 EUR
(der Abzug von tatsächlichen Werbungskosten
ist gem. § 20 (9) S. 1, 2. HS ausgeschlossen)
801 EUR
= Ergebnis 199 EUR

Eine Ausnahme die sich zum Abzug der tatsächlichen Werbungskosten herausbildet, ist das Subsidiaritätsprinzip gem. § 20 (8) S. 1 EStG. Wenn die Kapitalerträge einer anderen Einkunftsart zuzuordnen sind, bspw. wenn sie betrieblich veranlasst sind, dann handelt es sich nicht mehr um Einkünfte i.S.d 20 (1) Nr. 1 EStG, sondern sind gem. § 20 (8) S. 1 EStG der anderen Einkunftsart zuzuordnen. In solchen Fällen können dann die tatsächlichen Werbungskosten oder Betriebsausgaben zum Abzug gebracht werden.

Welcher Steuersatz findet bei Einkünften aus Kapitalvermögen Anwendung?

Die auf die Kapitalerträge erhobene Steuer werden von den Depot-/ bzw. Vertragsführenden (Bausparverträge, etc.) einbehalten. Die Kapitalertragssteuer wird dabei zusammen mit dem Solidaritätszuschlag (SolZ) und ggf. der Kirchensteuer (KiSt) einbehalten.

Kapitalerträge unterliegen grundsätzlich einem gesondertem Steuertarif. Dieser beträgt gem § 32d (1) 25 % für die Kapitalertragssteuer, 5,5 % für den SolZ und 8 bzw. 9 % für die KiSt. Hierbei wird jedoch der SolZ und die KiSt von dem Anteil der Kapitalertragssteuer gerechnet.

Ein Beispiel:

Frau Sandig hat Dividendeneinnahmen i.H.v 10.000 EUR. Wie wird die Kapitalertragssteuer zzgl. SolZ und KiSt errechnet? (Ohne Sparer-Pauschbetrag)

Dividendeneinnahmen 10.000 EUR
x Steuersatz 25%
= KapESt2.500 EUR
hierauf SolZ5,5 %
= SolZ137,50 EUR
hierauf KiSt (von der KapESt)9 %
= KiSt 225 EUR
= Ergebnis der kumulierten Steuer2.862,50 EUR

Wie in diesem Beispiel ersichtlich, werden der SolZ und die KiSt von dem Anteil der KapESt errechnet. Von dem Dividendeneinnahmen i.H.v 10.000 EUR würden demzufolge seitens der Bank 2.862,50 EUR einbehalten werden. Wenn Frau Sandig der Bank nachweisen würde, dass sie nicht Kirchensteuerpflichtig ist, würde der Anteil wegfallen und nicht einbehalten werden.

Was ist ein Freistellungsauftrag

Bei dem Freistellungsauftrag handelt sich um einen Auftrag, mit welchem man bei seinem Bank-/ oder Kreditinstitut einen Kapitalertrag freistellen kann. Hieraus resultiert, dass erwirtschaftete Erträge aus bspw. Zinsen oder Dividenden ohne einbehalten von KapESt, SolZ und ggf. Kist ausgezahlt werden.

Der Freistellungsauftrag ist dabei an den Sparer-Pauschbetrag geknüpft. Das bedeutet, dass man bei seiner Bank einen Freistellungsauftrag i.H.v 801 EUR bzw. 1.602 EUR eintragen lässt. Wenn man mehrere Depots besitzt, sind mehrere Freistellungsaufträge zulässig, die Summe von 801 EUR bzw. 1.602 EUR darf jedoch nicht überschritten werden (man kann seine Freistellungsaufträge also stückeln und auf verschiedene Banken verteilen).

Take away

  • Sparer-Pauschbetrag 801 EUR bei Einzelveranlagung und 1.602 EUR bei Zusammenveranlagung gem. § 20 (9) S. 1 + S. 2 EStG
  • Abzug der Werbungskosten ist gem. § 20 (9) S. 1, 2. HS ausgeschlossen
  • Sparer- Pauschbetrag darf nicht zu negativen Einkünften führen gem. § 20 (9) S. 4 EStG
  • Subsidiaritätsprinzip gem. § 20 (8) S. 1 EStG
  • Kapitalerträge unterliegen dem gesondertem Steuertarif gem. § 32d (1) i.H.v 25 %

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