Get the money in – erhaltene und geleistete Anzahlung sowie Forderungsverluste

(Stand 31.12.2019, Rechtsänderungen vorbehalten)

 

Wie man in der Buchführung die erhaltene und geleistete Anzahlung verbucht und Forderungsverluste behandelt


Uli Ulkig, ein tüchtiger Autoverkäufer, setzte sich eines Abends an seinen Schreibtisch und buchte einige Geschäftsvorfälle in seiner Bilanz. Einer seiner neuen Geschäftspartner leistete immer vor dem Erhalt eines bestellten Autos eine Anzahlung. Eine Autobestellung ließ besonders lange auf sich warten, hierbei handelte es sich um ein neues Model der Marke Missan. Der Hersteller informierte Herrn Ulkig, dass aufgrund von Lieferengpässen die Lieferung erst im Folgejahr erfolgen könne.

Vollkommen ratlos blickte er nun auf den Bildschirm seines Laptops, war die Anzahlung seines Geschäftspartners nun im aktuellen oder erst im Folgejahr zu verbuchen?

Rechtlicher Grundsatz – Die Entstehung

Aufschluss darüber gibt uns der § 252 Abs. 1 Nr. 5 HGB. Dieser besagt, dass Aufwendungen und Erträge des Geschäftsjahres unabhängig von den Zeitpunkten der entsprechenden Zahlungen berücksichtigt werden (sog. Entstehungsprinzip). Demzufolge, werden Erträge erst bei der Ausführung der Leistung besteuert. Aufwendungen werden dementsprechend erst beim Empfang der Leistung berücksichtigt. Damit jedoch auch dieser Geschäftsvorfall nicht unberücksichtigt bleibt, muss dieser verbucht werden. Hierzu wird das Konto „erhaltene Anzahlung“ genutzt. Es handelt sich um ein passives Bestandskonto.

Zu beachten ist, dass eine Anzahlung des Empfängers der Umsatzsteuer unterliegt (gem. § 13 Abs. 1 Nr. 1 a) S. 4 UStG). Diese ist somit bei Erhalt der Anzahlung einzunehmen und zu verbuchen.

Wie wird eine erhaltene Anzahlung gehandhabt?

Beispiel 1:

Bernhard Böse geht zu dem Autoverkäufer Uli Ulkig und entscheidet sich für ein neues Model der Marke Wentley. Herr Ulkig verlangt für das besonders teure Model eine Anzahlung i.H.v 10.000 EUR, bevor er dieses für Herrn Böse bestellt. Herr Böse entrichtet die Anzahlung am Folgetag dem 07.02.2020 per Überweisung.

Buchungssatz 07.02.2020:

Bank 10.0000AnErhaltene Anzahlung 8.403,43
Umsatzsteuer 1.596,57

Erläuterung: Bei dem Kauf eines Autos fällt ein Umsatzsteuersatz von 19 % an. Die Anzahlung für den PKW ist ebenfalls mit selbigem Steuersatz belastet. Um herauszufinden, wie hoch der Anteil der Umsatzsteuer ist, rechnet man wie folgt:

 Anzahlung (Brutto)10.000 EUR
:Kosten für den PKW (100%) + Umsatzsteuer (19%)119
=Ergebnis84,03 EUR
xUmsatzsteuer (19%) 19
=Anteil der Umsatzsteuer (19%) an der Anzahlung1.596.57 EUR
 Anzahlung10.000 EUR
./.Anteil der Umsatzsteuer an der Anzahlung1.596,57 EUR
=Anteil der erhaltenen Anzahlung ohne Umsatzsteuer8.403,43 EUR


Doch wie verhält es sich mit Anzahlungen, die man selbst gegenüber anderen Personen leistet?

Hierbei handelt es sich um das Pendant zu der erhaltenen Anzahlung. Das dafür notwendige Konto nennt man „geleistete Anzahlung“. Hierbei handelt es sich um ein aktives Bestandskonto. Der Abzug der Vorsteuer ist gem. § 15 Abs. 1 Nr. 1 S. 3 UStG bereits mit Leistung der Anzahlung möglich.

Beispiel 2:

Herr Ulkig kauft sich ein neues Auto für seine Ausstellung von der Marke Gerrari am 15.03.2020. Hierbei leistet er eine Anzahlung i.H.v 20.000 EUR an den Händler per betrieblichem Bankkonto.

Buchungssatz 15.03.2020:

Geleistete Anzahlung 16.806,67AnBank 20.000
Vorsteuer 3.193,33

Das Auto ist hierbei nicht zum Verkauf gedacht, vielmehr handelt es sich um Betriebs-Geschäftsausstattung (BGA). Die Berechnung der Vorsteuer ermittelt sich durch dieselbe Rechnung wie bei Beispiel 1:

Anzahlung (Brutto)20.000 EUR
:Kosten für PKW (100%) + Umsatzsteuer (19%)119
=Ergebnis168,07 EUR
xUmsatzsteuer (19%)19
=Anteil der Umsatzsteuer (19%) an der Anzahlung3.193,33 EUR
Anzahlung20.000 EUR
./.Anteil der Umsatzsteuer an der Anzahlung3.193,33 EUR
=Anteil der geleisteten Anzahlung ohne Umsatzsteuer16.806,67 EUR


Doch wie sind Vorgänge zu verbuchen, in welchen eine Ware bereits geliefert wurde und der Kunde diese im Nachhinein nicht mehr bezahlen kann?

In der Bilanz werden ebenfalls solche Vorgänge erfasst, in welchen ein Kunde die Ware erhalten hat, aber noch nicht bezahlt. Hierbei greift das Entstehungsprinzip, wonach der Geschäftsvorfall unabhängig von der Zahlung der Ware zu verbuchen ist.

Beispiel 3:

Der Kunde Lars Langsam kauft am 07.07.2020 ein Auto der Marke Wazda und verlangt, erst zu einem späteren Zeitpunkt zahlen zu müssen. Das Auto kostet 42.500 EUR (inkl. Umsatzsteuer)

Buchungssatz 07.07.2020:

Kundenforderung 42.500AnWarenverkauf 35.714,29
Umsatzsteuer 6.785,71

Gemäß dem Entstehungsprinzip entsteht der Ertrag bereits zum Zeitpunkt des Kaufes von Herrn Langsam. 3 Monate nach dem Kauf der Ware stellt Herr Ulkig fest, dass sein Kunde insolvent ist. Das Geld ist somit uneinbringlich geworden. Wenn Forderungen uneinbringlich geworden sind, muss die offene Kundenforderung nun über das Gegenkonto „Forderungsverlust” ausgebucht werden.

Buchungssatz 07.10.2020:

Forderungsverlust 35.714,29AnKundenforderung 42.500
Umsatzsteuer 6.785,71

Die Umsatzsteuer wird in diesem speziellen Fall im Soll wieder ausgebucht, da es sich hierbei sonst um eine Verbindlichkeit gegenüber dem Finanzamt handeln würde. Da jedoch der Kauf nicht realisiert wurde, da der Kunde zahlungsunfähig geworden ist, besteht wegen des erlittenen Verlusts nun keine Verpflichtung mehr, Umsatzsteuer an das Finanzamt abzuführen.

Take away

  • Entstehungsprinzip gem. § 252 Abs. 1 Nr. 5 HGB
  • Umsatzsteuer entsteht bereits bei einer erhaltenen Anzahlung gem. § 13 Abs. 1 Nr. 1 a.) S. 4 UStG.
  • Vorsteuer entsteht bereits bei einer geleisteten Anzahlung gem. § 15 Abs. 1 Nr. 1 S. 3 UStG.
  • Offene Forderungen werden, sofern sie uneinbringlich geworden sind, über das Konto offene Forderung ausgebucht.

Spread the word