Fiffty:Fiffty – Veranlagung & Tarife nach dem Einkommensteuergesetz

(Stand 31.12.2019, Rechtsänderungen vorbehalten)

 

Welche Veranlagungsarten gibt es und welche Tarife werden nach dem EStG angewendet


Rainer Zufall ist mit seiner Ehefrau schon seit zig Jahren glücklich verheiratet und beide bewohnen seit 15 Jahren das Einfamilienhaus in Neustadt. Am 15.05.19 haben sie Ihre Einkommensteuererklärung 2018 eingereicht und keine näheren Angaben zur Veranlagung gemacht.

Was besagt die Ehegatten-Zusammenveranlagung?

Die Eheleute Zufall sind beide unbeschränkt steuerpflichtig nach §1 (1) S. 1 EStG, weil sie beide natürliche Personen sind und einen Wohnsitz (§8 AO, EFH) im Inland (Inland = BRD = Neustadt) haben.

Sie sind Eheleute nach dem BGB, sind unbeschränkt einkommensteuerpflichtig, nicht dauernd getrennt lebend (glücklich verheiratet) und alle Voraussetzungen haben im Veranlagungszeitraum 2018 vorgelegen, weshalb sie unter die Ehegatten-Veranlagung fallen. Hierzu gehört die Ehegatten-Einzelveranlagung (§26a EStG) und die Ehegatten-Zusammenveranlagung (§26b EStG). Grundsätzlich müssen beide das Wahlrecht nach § 26 (2) S. 2 EStG ausüben, jedoch ist gemäß §26 (3) EStG von einer Zusammenveranlagung auszugehen, wenn keine anderen Angaben gemacht werden.

Hier greift demnach der Splittingtarif gemäß §32a (1) iVm (5) EStG d.h. bei der Berechnung wird das zu versteuernde Einkommen §2 (5) EStG durch zwei geteilt und in die Formel eingesetzt. Das Ergebnis hieraus ist die tarifliche Einkommensteuer §2 (6) S. 1 EStG, welche dann verdoppelt wird.

Was besagt die Ehegatten-Einzelveranlagung?

Die Prüfung ist wie im oberen Beispiel aufgeführt die selbe, da erst einmal die Voraussetzung der Ehegatten-Veranlagung nach §26 (1) S. 1 EStG geprüft werden müssen. Denn auch die Ehegatten-Einzelveranlagung nach §26a EStG ist eine Ehegatten-Veranlagung.

Bei dieser Form ist es so, dass die Einkünfte jeweils dem zugerechnet werden, wer sie erbracht hat. Man betrachtet dabei die Ehegatten wie Einzelpersonen, statt wie bei der Ehegatten-Zusammenveranlagung wie „eine“ steuerpflichtige Person.

Die Besonderheit ist, dass Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastung und die Steuerermäßigung nach §35a EStG demjenigen Ehegatten zugerechnet werden, der sie auch wirtschaftlich getragen hat §26a (2) S. 1 EStG. Ausgenommen, beide stellen einen Antrag auf hälftigen Ansatz §26a (2) S. 2 EStG.

Hier greift auch jeweils der Grundtarif nach §32a (1) S. 2 EStG zur Berechnung der Steuer.

Was ist das Gnadensplitting?

Angenommen Rainer würde seine Frau doch verlassen und noch im selben Jahr Helene Fischer zur Ehefrau nehmen. Sofern Helene Fischer die Voraussetzungen nach §26 (1) S. 1 EStG erfüllt, bleibt nach §26 (1) S. 2 EStG die ehemalige Ehe für die Zusammenveranlagung unberücksichtigt.

In diesem Fall hätte Rainer die Möglichkeit auf eine Ehegatten-Zusammenveranlagung mit Helene Fischer, seine Ehefrau würde jedoch an dem Tatbestand der Ehe nach BGB scheitern. Für Erstere würde der Splittingtarif greifen und für Letztere nicht.

Der Gesetzgeber hat sich aber überlegt, dass hier das Gnadensplitting erfolgen soll. Hiernach kann, in dem Jahr der Scheidung, Rainers hypothetische Ex-Frau den Splittingtarif nach §32a (6) S. 1 Nr. 2 EStG in Anspruch nehmen.

Was ist das Witwensplitting?

In diesem Fall ist die Hypothese etwas düsterer. Wenn einer der Eheleute sterben würde, könnte der Splittingtarif in Form des Witwensplittings greifen gemäß §32a (6) S. 1 Nr. 1 EStG.

Da die Eheleute sich zu keinem Zeitpunkt getrennt haben, haben im Jahr des Todes die Voraussetzungen nach §26 (1) S. 1 EStG mindestens einmal im Jahr vorgelegen. Deshalb gibt es im Jahr des Todes sowieso den Splittingtarif. Allerdings besagt das Witwensplitting, dass der Splittingtarif auch im Folgejahr des Todes angewendet wird.

Take away

  • Ehegatten-Veranlagung § 26 (1) S. 1 EStG
  • Ehegatten-Einzelveranlagung §26a EStG
  • Ehegatten-Zusammenveranlagung §26b EStG
  • Grundtarif §32a (1) S. 2 EStG
  • Splittingtarif §32a (1) S. 2 iVm (5) EStG
  • Gnadensplitting §32a (1) S. 2 iVm (5) iVm (6) Nr. 2 EStG
    ggf. §26 (1) S. 2 EStG
  • Witwensplitting §32a (1) S. 2 iVm (5) iVm (6) Nr. 1 EStG

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