40h-Woche Zuhause – das häusliche Arbeitszimmer als Werbungskosten oder Betriebsausgaben

(Stand 31.12.2019, Rechtsänderungen vorbehalten)

 

Prüfe das häusliche Arbeitszimmer dem Grunde und der Höhe nach

In unserem hochdigitalisierten Zeitalter wird das Arbeiten von Zuhause immer gefragter und auch wahrscheinlicher. Weil hierbei Kosten entstehen, die beruflich veranlasst sind, ergibt sich die Frage, ob sich hier ein steuerlicher Ansatz finden lässt.

Was ist ein häusliches Arbeitszimmer?

Bevor man überhaupt dazu kommt, ins Gesetz zu schauen, muss überprüft werden, ob überhaupt eine „Häuslichkeit“ und ein „Arbeitszimmer“ bestehen.

  1. „Ein häusliches Arbeitszimmer ist ein Raum, der seiner Lage, Funktion, und Ausstattung nach in die häusliche Sphäre des Steuerpflichtigen eingebunden ist“
  2. „vorwiegend der Erledigung gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer, geistiger, künstlerischer Betätigung dient“,
  3. „ausschließlich beruflich oder betrieblichen Zwecken dient“
Räumlichkeit

Es muss sich also in erster Linie um einen abgetrennten Raum mit Türen und Wänden handeln. Weiterhin muss genügend weiterer Wohnraum zur Verfügung stehen (pi-mal-Daumen maximal 25% der Gesamtwohnfläche). Zudem darf es sich nicht um ein Durchgangszimmer handeln z.B. zur Terrasse. Außerdem muss die Ausstattung zu einem Arbeitszimmer passen d.h. es dürfen keine Gegenstände darin sein, die einer privaten Nutzung zugeordnet werden können. Zu guter Letzt muss es in der häuslichen Sphäre sein, also in direktem Zusammenhang mit dem Wohngebäude stehen und nichts extra angemietet.

Arbeiten

Die Arbeiten, die darin verrichtet werden, müssen Bürotätigkeiten sein oder eben schriftstellerischer, geistiger oder künstlerischer Arbeit gleich sein. Das bedeutet, dass Werkstattarbeiten, Archivierungen oder ein reines Lager kein Arbeitszimmer in diesem Sinne darstellen.

Nutzung

Eine 10% private Nutzung ist unschädlich, stellt also kein Problem dar. Jedoch macht man die private oder beruflich/betriebliche Nutzung anhand von Indizien fest, insbesondere der Einrichtung. Finden sich beispielsweise Bügelbrett, Fernseher oder Bett, ist von einer schädlichen privaten Nutzung auszugehen.

Schlussfolgerung

Kommen wir zum Entschluss, dass es sich um ein häusliches Arbeitszimmer handelt, dann können wir uns anschauen, inwieweit es steuerrechtlich anzuerkennen ist. Scheitert es an einem der oben genannten Voraussetzungen, dann handelt es sich um Kosten der Lebensführung §12 Nr. 1 EStG und finden keinen Ansatz.

Wir empfehlen dringend an dieser Stelle, das BMF-Schreiben im Steuererlass „Ordnungsnummer 1, §4/9. Schreiben zur einkommensteuerlichen Behandlung der Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer“ durchzulesen und zu markieren, da darin sehr gut aufgeführt ist, welche Prüfungsschritte zu tun sind. Im Falle einer Klausur zu diesem Thema, muss man nicht alles im Kopf behalten, da die Vorschrift im Gesetz eher aussageschwach ist.

Was sagt die Vorschrift hierzu?

Grundsatz


Der Ansatz eines häuslichen Arbeitszimmers als Werbungskosten ist grundsätzlich ausgeschlossen:

§9 (5) S. 1 EStG (als Türöffner-Paragraph bei Werbungskosten):
„§ 4 Absatz 5 Satz 1 Nummer 1 bis 4, 6b bis 8a, 10, 12 und Absatz 6 gilt sinngemäß“

§4 (5) Nr. 6b S. 1 EStG sagt nicht abzugsfähige Aufwendungen (Betriebsausgaben) sind:
„Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sowie die Kosten der Ausstattung.“

Dieser Teil der Vorschrift ist ganz klar: Das häusliche Arbeitszimmer kann nicht als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abgezogen werden.

Ausnahmen


Allerdings gibt es Ausnahmen, wonach ein häusliches Arbeitszimmer doch als Werbungskosten oder Betriebsausgaben angesetzt werden kann:

§4 (5) Nr. 6b S. 2 + 3 EStG:
„(Satz 1) gilt nicht, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. In diesem Fall wird die Höhe der abziehbaren Aufwendungen auf 1.250 Euro begrenzt; die Beschränkung der Höhe nach gilt nicht, wenn das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung bildet;“

Erläuterung


Die letzten zwei Sätze des Gesetzes sind „von hinten“ an zu betrachten d.h. wir schauen uns zuerst an, ob die ausgeführte Tätigkeit den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit darstellt. Wird der Steuerpflichtige wesentlich dafür bezahlt, was er im Arbeitszimmer erledigt? Wenn ja, dann erfolgt ein gänzlicher Abzug der Kosten.

Wird der Steuerpflichtige nicht wesentlich dafür bezahlt, was er im Arbeitszimmer erledigt, dann müssen wir schauen, ob er einen anderen Arbeitsplatz zur Verfügung hat. Hat er keinen anderen Arbeitsplatz zur Verfügung, folgt daraus, dass nur ein maximaler Ansatz von 1.250€ erfolgen könnte. Besteht der Anspruch auf einen Arbeitsplatz, gibt es also nichts.

Um das Wirr-Warr besser zu verstehen, machen wir dazu einige Beispiele.

(Achtung: Die Vorschrift zum häuslichen Arbeitszimmer ist grds. eine Vorschrift der Gewinneinkünfte, weswegen hier auch von Betriebsausgaben gesprochen wird. Um das hA im Zuge von Werbungskosten anzuwenden, muss man den Türöffner-Paragraphen §9 (5) S. 1 EStG beachten.)

Wesentliche Tätigkeit

Joseph hat eine Wohnung in Edenkoben mit 100qm. Er arbeitet als Schriftsteller und schreibt Horror-Romane. Sein Arbeitszimmer ist sehr minimalistisch eingerichtet, weil Ihn das meiste nur ablenken würde und er mag es auch nicht, wenn sich jemand darin aufhält, weshalb es immer abgeschlossen wird. Er hat einen Schreibtisch mit Laptop, einen Bürostuhl, ein Sessel und ein kleines Bücherregal mit Werken, aus denen er Inspiration schöpft und an seinem Stil arbeitet. Für das 15qm-Zimmer fallen jährlich Kosten iHv 3.000€ an.

Die Prüfung dem Grunde nach verlangt, dass wir die Häuslichkeit und das Arbeitszimmer würdigen. Das Zimmer liegt in seiner Wohnung, demnach in der häuslichen Sphäre. Er nutzt es ausschließlich beruflich (möchte nicht abgelenkt werden) und die Einrichtung gibt keine Indizien auf private Nutzung her. Das Zimmer nimmt weniger als 25% der Gesamtwohnfläche ein (15%) und ist demnach verhältnismäßig. Der Raum kann abgeschlossen werden und ist auch kein Durchgangszimmer (mag keine Fremden darin laut Sachverhalt). Außerdem ist er dort ausschließlich schriftstellerisch tätig (schreibt Romane).

Demnach liegt ein häusliches Arbeitszimmer vor, welches jedoch grds. nach §4 (5) Nr. 6b S. 1 EStG nicht als Betriebsausgaben abzugsfähig ist. Da der qualitative Schwerpunkt darin liegt, Bücher zu schreiben, liegt der Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer, wonach ein unbeschränkter Abzug nach §4 (5) Nr. 6b S. 2 + 3 EStG möglich ist.

Somit ergeben sich Betriebsausgaben iHv 3.000€ für das häusliche Arbeitszimmer.

Anderer Arbeitsplatz zur Verfügung

Marc ist angestellter Versicherungsmakler. Neben dem Verkaufsgeschäft muss er auch die Kundenkarteien verwalten und seine Routen planen. Hierfür steht Ihm ein eigenes Büro im Unternehmen zur Verfügung. Meistens ist er aber nach den Fahrten so müde, dass er das lieber in seinem häuslichen Arbeitszimmer macht. Er möchte den Raum mit 3.000€ jährlich in seiner Steuererklärung ansetzen.

Laut Sachverhalt ist der Raum dem Grunde nach ein häusliches Arbeitszimmer. Dieses ist gemäß §9 (5) S. 1 EStG iVm §4 (5) Nr.6b S. 1 EStG nicht als Werbungskosten abzugsfähig. Eine Ausnahme stellt §4 (5) Nr. 6b S. 3 EStG dar, sofern der Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit im hA verrichtet wird. Dies ist hier nicht der Fall, da die wesentliche, qualitative Arbeit bei Versicherungsmaklern im Kundenkontakt besteht. Laut Sachverhalt hat Marc auch einen anderen Arbeitsplatz im Versicherunsgsbüro zur Verfügung, weshalb §4 (5) Nr. 6b S. 2 EStG ebenso keine Anwendung findet.

Marc kann sein häusliches Arbeitszimmer nicht als Werbungskosten ansetzen. Diese sind Kosten der Lebensführung gemäß §12 Nr. 1 EStG.

Take away

  • Prüfung Häuslichkeit
  • Prüfung Arbeitszimmer
  • Grundsatz: kein Abzug §4 (5) Nr.6b S. 1 EStG
  • Türöffner bei WK: §9 (5) S. 1 EStG
  • Mittelpunkt der berufl./betriebl. Tätigkeit §4 (5) Nr. 6b S. 3 EStG
  • Anderer Arbeitsplatz §4 (5) Nr. 6b S. 2 EStG
  • Beschränkung auf 1.250€

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